REZENSIONEN - KULTURMANAGEMENT KONKRET

 

REZENSION - KULTURMANAGEMENT KONKRET - BAND 4

Fundraiser
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Ausgabe 4/2011


Seit vier Jahren publiziert das Institut für Kulturkonzepte Hamburg und Wien die Buchreihe Kulturmanagement konkret. Schwerpunkt dieser Ausgabe sind Kulturvermittlung, Beratung und Coaching sowie Social Media im Kulturbereich. Zu allen Themen konnten interessante Autoren gewonnen werden. Christian Henner-Fehr, einer der Veranstalter der stARTconference und Blogger, beschäftigt sich zum Beispiel mit dem Interagieren in der ‚Cloud’, Anne Krebs wird zur Social Media Strategie des Louvre interviewt und Gesa Birnkraut, Professorin in Tallin und Kulturmanagerin, beschäftigt sich kritisch mit dem Coaching im Kulturmanagement.

Der Ansatz, Autoren mit wissenschaftliche, praktischen oder auch ‚nur’ Diplomarbeits-Hintergrund schreiben zu lassen, ist durchaus reizvoll. So ergeben sich doch sehr unterschiedliche Sichtweise auf das Thema. Ebenso ist die Internationalität der Autoren beachtlich, auch wenn manche Artikel oder die Interviews dadurch nur in englischer Sprache zur Verfügung stehen.

Das Thema Coaching und Beratung ist offenbar in der Kulturbranche sehr emotional aufgeladen. Bei allen Autoren spürt man, welche Skepsis die Kultur der Unternehmensberatung entgegen bringt. Leider gelingt es den Autoren auch nur teilweise, die Scheu zu nehmen, wie sie sich, aus meiner Sicht, zu sehr in der Theorie verlieren. Mehr Praxisbeispiele, wie im Artikel von Falk Lemloh, über die Beratung eines konkreten Klienten hätten dem Thema gut getan. Insgesamt ist das Buch ein Pflichtprogramm für Kulturmanager.

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REZENSION - KULTURMANAGEMENT KONKRET - BAND 1-4

 

im gift - zeitschrift für freies theater 02/2011

Im Jahr 2007 startete das Institut für Kulturkonzepte mit der Herausgabe von Kulturmanagement konkret eine Reihe, die es sich zur Aufgabe macht, eine neue Verbindung zwischen Theorie und Praxis im Bereich Kulturmanagement zu schaffen. In einem jeweils jährlich erscheinenden Band werden zu Themenschwerpunkten gebündelte Beiträge aus den verschiedensten Disziplinen präsentiert. Der wachsenden Internationalisierung wird durch die Veröffentlichung von sowohl deutsch- als auch englischsprachigen Artikeln Rechnung getragen, zudem gibt es zu allen Beiträgen eine

Kurzzusammenfassung in beiden Sprachen.

 

Band 1 der Reihe (erschienen 2007) setzt seine inhaltlichen Schwerpunkte auf die Themen „Unternehmerisches Denken und Innovation“ sowie „Kooperation und unternehmerische Verantwortung“, während Band 2 (2008) den Fokus auf „Evaluation“ und „Theatermanagement“ richtet. Hier ist vor allem der Artikel Controlling in Kulturorganisationen von Markus Miko, damals Geschäftsführer von szene bunte

wähne, lesenswert. Er erläutert anschaulich die Grundlagen des Controllings und zeigt das Spannungsverhältnis zwischen den wirtschaftlichen und künstlerischen Ansprüchen von Kulturinstitutionen auf.

 

Im Jahr 2009 feierte das Wiener Institut für Kulturkonzepte sein 15jähriges, das Hamburger Schwesterninstitut das 5jährige Bestehen. Grund genug, sich im Band 3von Kulturmanagement konkret anlässlich dieses Jubiläums auch eingehend mit der Geschichte, dem Selbstverständnis und den Zukunftsperspektiven des Instituts auseinanderzusetzen. Karin Wolf, Gründerin und Direktorin des Wiener Instituts, gibt

Einblicke in die Entstehungsphase, laufende Entwicklungen und aktuelle Angebote im Bereich Fortbildung und Beratung. Passend dazu beleuchtet Birgit Mandel das Berufsbild des/der KulturmanagerIn, während Leo Hemetsberger die Soft Skills als Instrumente für Führungskräfte im Kulturmanagement genauer unter die Lupe nimmt. In der Rubrik „Transkulturelles“ werden anhand von konkreten Projekten die Möglichkeiten und Herausforderungen aufgezeigt, die das Arbeiten im internationalen Kulturbereich mit sich bringt. So stellt Sandra Chatterje die Post Natyam Collective vor, eine transnationale Gruppe von ChoreografInnen und PerformancewissenschafterInnen, die im Bereich zeitgenössische Performance im südasiatischen Raum arbeitet. Gesa Birnkraut und Maja Niedernolte berichten in ihrem Artikel über ein afrikanisch-deutsches Kulturprojekt von der Professionalisierung und Vernetzung von KulturmanagerInnen aus 13 afrikanischen Ländern.

 

Im Vorjahr erschien die bislang letzte Ausgabe der Fachbuchreihe, die drei hochaktuelle und spannende Themen behandelt: 
In der Rubrik „Social Media für die Kultur“ beschäftigen sich verschiedene AutorInnen mit den Fragen rund um die Nutzung und Entwicklungsmöglichkeiten des Web 2.0. Sind Facebook und Twitter heute für den Kulturbereich unabdingbare tools geworden, oder kosten sie letztendlich so viel Zeit, dass sie eigentlich schon wieder unrentabel werden?

Was in der Wirtschaft schon längst gang und gäbe ist, erobert nun auch langsam den Kultur- und Kreativbereich: Coaching und Unternehmensberatung. Aber wie unterscheidet sich Kulturberatung von wirtschaftlicher Betriebsberatung, gibt es überhaupt qualifizierte Personen in diesem Bereich und welche Betriebe leisten sichdas eigentlich? Gesa Birnkraut gibt in ihrem Artikel einen grundlegenden Überblick zur Thematik und erläutert die verschiedenen Einsatzgebiete von Kulturcoaching, beginnend bei Existenzgründungen über Begleitung von laufenden Projekten bis hin zu fachspezifischen Fragestellungen wie Zeitmanagement oder Finanzen. Mit dem Berufsbild Kulturberatung und den spezifischen Aufgaben und Anforderungen in diesem Bereich befasst sich Ann-Cathrin Hoffmann, Helga Stattler zeigt die Sinnhaftigkeit von Strategieentwicklung in Kultureinrichtungen auf und Frank Lemloh stellt anhand eines konkreten Beratungsbeispiels die Kernaufgaben seiner praktischen Arbeit als Kulturberater vor.

Der dritte große Themenbereich dieses Bandes ist dem Gebiet Kulturvermittlunggewidmet. ExpertInnen aus dem Bereich diskutieren in einer Gesprächsrunde die gegenwärtigen Herausforderungen und aktuellen Tendenzen in Theater, Film, Musik, Architektur und Bildender Kunst. Kurzinterviews mit VertreterInnen von internationalen Kulturinstitutionen wie zum Beispiel John Stack von der Tate Gallery oder Anne Krebs vom Louvre, runden die Themenschwerpunkte ab und geben Einblick in die Kulturmanagement-Praxis.

 

Die gelungene Mischung aus wissenschaftlichen Fachartikeln, Praxisberichten und Interviews mit ExpertInnen aus allen Disziplinen des Kunst- und Kreativbereichs inspiriert durchaus, die eigene Arbeit in diesem Bereich auch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und gibt Impulse und Anregungen zum Weiterdenken. (aw)

REZENSION – KULTURMANAGEMENT KONKRET – BAND 3


von Dirk Schütz, Geschäftsführer Kulturmangement Network
 

Das Institut für Kulturkonzepte mit Standorten in Wien und in Hamburg besitzt seit Jahren eine ausgewiesene Expertise in der Aus- und Weiterbildung professioneller Fach- und Führungskräfte für die Kultur. Diese erfolgreiche Arbeit lässt sich zudem an einem hervorragenden Netzwerk von Dozentinnen und Dozenten sowie Expertinnen und Experten aus allen Bereichen des Kulturbetriebs ablesen. Die Erfahrungen dieses Netzwerks werden seit einigen Jahren in der jährlichen Publikation „Kulturmanagement konkret“ veröffentlicht. 
Die nunmehr dritte Ausgabe dieser Reihe, die passend zum 15. Jahrestag der Gründung des Instituts in Wien und zum 5. Jahrestag der Gründung des Instituts in Hamburg erschien, versammelt wieder aufschlussreiche wissenschaftliche Beiträge, Erfahrungsberichte aus Praxisprojekten und Best-Practise-Modelle aus den unterschiedlichsten Bereichen des Kulturbetriebs und gibt somit einen lesenswerten Einblick in die Herausforderungen und Perspektiven für ein modernes Kulturmanagement.
 

Kulturmanagement konkret heißt hier in diesem Buch:

- Aktuelle wissenschaftliche Beiträge

- Konkrete Projekte und Fragestellungen des Kulturmanagements

- Internationale Praxisbeispiele

- Reflektion über den Alltag des Kulturmanagements

- Hilfe zur Selbsthilfe

- uvm.

 

Unter den Überschriften „Berufsbild“ und „Zukunftsperspektiven“ schlagen die Autoren einen spannenden Bogen von den Anfängen des Kulturmanagements, seiner Identitätssuche als wissenschaftliche Disziplin und die sich verändernden Rollenbilder (Birgit Mandel), über eine mitreißend und amüsant philosophische Betrachtung der schier übermenschlichen Anforderungen an Führungskräfte im heutigen Kulturbetrieb mit wunderbaren Querverweisen zu Literaturquellen aus allen Bereichen der Themen Führung und Organisation (Leo Hemetsberger) zu den höchst spannenden Ansätzen und neuen Kooperationsmodellen der Firma Shapeshifters für den sich global rasant entwickelnden Bereich der Creative Industries (Interview mit Eric Poetschacher) bis hin zu einer anregenden Neukonzeption einer Kulturmanagementlehre, die nicht nur auf die besonderen Herausforderungen nach der globalen Finanzkrise reagieren muss, sondern mit den Entwicklungen der Creative Industries und der Krise eineradministrationsorientierten Institutionenlehre einen neuen Ansatz desKulturmanagements finden muss, der viel mehr unternehmerisch orientiert, nutzerorientiert und im Zuge der neuen Kommunikationstechnologien eine stärker öffentlichkeitsorientierte Kunst integriert (Giep Hagoort).

 

Abgerundet wird das Buch durch praktische internationale (Projekt-) Beispiele aus Asien, Afrika und Osteuropa, die auf die Besonderheiten in diesen Regionen eingehen und hilfreiche Hinweise auf Entwicklungen im internationalen Kulturmanagement geben. Zudem beleuchten Isgard Rhein und Birgit Schaarschmidt fundiert und anschaulich das immer aktuelle Thema desUrheberrechts bzw. der Nutzungsrechte, für das sie vor allem die Künstler selbst sensibilisieren wollen.

 

Ein wichtiges Thema, dass eher ein stiefmütterliches Dasein im Kulturmanagement fristet und durch die derzeitigen Entwicklungen wie bei der Love Parade 2010 oder den Museumsdiebstählen der letzten Monate immer wieder brandaktuell in die Schlagzeilen gerät, betrachtet Horst Dahmen in seinem Artikel: dasRisikomanagement und welchen Stellenwert Sicherheit in den unterschiedlichsten Bereichen der Kultur haben muss.

Hilfreich und erwähnenswert ist, dass man als Leser nicht nur deutsche Artikel findet, sondern dass Autoren auch in Englisch veröffentlichen. Zudem erleichtern kurze Abstracts dem Leser und der Leserin den schnellen Einstieg in das Thema der jeweiligen Artikel.

Auch diese Ausgabe setzt die hohe Qualität der bereits veröffentlichten Bände fort und lohnt für alle Leserinnen und Leser den Kauf, die einen breiten und trotzdem fundierten Einblick in aktuelle Entwicklungen und Diskussionen des Kulturmanagements erlangen möchten.

REZENSION – KULTURMANAGEMENT KONKRET – BAND 2


von Dirk Heinze, Chefredakteur Kulturmangement Network

Die Institute für Kulturkonzepte in Wien und Hamburg sind nicht nur im

Bereich der Weiterbildung von Kulturmanagern aktiv, sondern befördern seit einigen Jahren auch die praxisorientierte Forschung in dieser Disziplin. Dies kommt nicht nur der Lehre zugute, sondern durch eine inzwischen mit dem zweiten Band vorliegende Publikationsreihe namens Kulturmanagement konkret.

Eine Besonderheit wird bereits auf dem Buchtitel deutlich - es ist eine aufZweisprachigkeit basierende Reihe. Mit dem Titel An Anatomy of Arts Management. Interdisciplinare Postions and Perspectives erscheinen einzelne Beiträge sowie generell deren Zusammenfassungen auf englisch. Dies ist für den Austausch derer, die an dieser praxisnahen Forschung im Kulturmanagement interessiert sind, allemal eine lobenswerte Initiative, bei der natürlich der Erfolg maßgeblich davon abhängig, inwieweit die jeweiligen Themen - Qualität vorausgesetzt - Relevanz in den verschiedenen, ja auf unterschiedlichen Kultursystem basierenden Ländern in Mittel-, Ost- und Westeuropa haben. Das wir selbst als international aufgestelltes Netzwerk diesen Austausch gutheißen, braucht an dieser Stelle nicht betont zu werden, weswegen sich auch der Autor dieser Rezension bei diesem Herausgeberband mit einem eigenen Beitrag zu aktuellen Trends darin gern beteiligt hat.

 

Der 2008 erschienene Band setzt neben drei einzeln stehenden Beiträgen auf zwei Schwerpunkte. Da ist zum einen das Thema Evaluierung, das derzeit viele Kultureinrichtungen, aber auch generell die Kultur fördernde Politik beschäftigt. Gerade in dem Maße, wo das Bewusststein für begrenzt zur Verfugung stehende Subventionen im Kulturbetrieb gestiegen ist, sucht man umso mehr nach Argumenten, wie Entscheidungen für die Förderung einzelner Kunstprojekte, einzelner Initiativen oder ganzer Häuser getroffen werden. Hier erhofft sich einerseits der Vertreter der Kultur, die Wichtigkeit einer finanziellen Unterstützung deutlich zu machen, während das wiederum genau die Erwartung der Politik sein sollte, dies auch entsprechend einzufordern, um nicht Entscheidungen nach Gut-Dünken zu treffen. Mancher Kulturamtsleiter und -dezernent wird umso dankbarer sein, wenn konkrete Werkzeuge existierten, die sowohl die Wichtigkeit als auch die Qualität des zu fördernden Projekts messbar machen.

 

Für den einen von drei Beiträgen zum Thema Evaluierung konnte neben der Herausgeberin Gesa Birnkraut auch Volker Heller gewonnen werden, der dies im Berliner Senat wohl nahezu tagtäglich erleben durfte. Die zwölfseitige Untersuchung bietet allein schon aufgrund ihrer inneren und äußeren Logik ein Höhepunkt der vorliegenden Publikation, deren einziger Nachteil für manche Leser die englische Sprache sein durfte, die dann doch das schnelle Verständnis der Studie erschwert. Zentrale Fragen wie der nach der Effektivität und Nachhaltigkeit einer Arbeit von Institutionen fuhren zu Vorschlägen, welche Methoden hier greifen könnten, Methoden im übrigen, die sich auch auf Sponsoring-Engagements übertragen lassen (lassen sollten!). Der Bezug auf das bekannte Balanced Score Card System für die vorgeschlagene Methodik ist nicht überraschend, sondern fachlich eine gute Grundlage für den weiteren Diskurs in der Evaluierungsdebatte, die insbesondere von der Grundsatzfrage betroffen ist, inwieweit dies auf künstlerische Prozesse Einfluss hat. Birte Hedden, Absolventin des Kulturmanagement-Studiengangs an der Hamburger Musikhochschule und inzwischen für die Öffentlichkeitsarbeit der Buchereizentrale Schleswig-Holstein verantwortlich, beschäftigt sich im folgenden Beitrag mit der Analyse von Leitbildern und Organisationskulturen als Mittel der Evaluation. Hier greift sie auf die Erkenntnisse des St. Galler Management-Modell zurück, das nach wie vor weltweit hohe Anerkennung und Nachahmung erfährt, bislang – einige durften es bedauern - weitestgehend außerhalb des Kulturbetriebs. Wichtig ist, so schreibt Birte Hedden an einer Stelle sehr plausibel, »die tatsächliche Organisationskultur in einem Leitbildentwicklungsprozess aufzugreifen und als Teil eines ausformulierten Selbstverständnisses festzuhalten«. Hier unterstreicht sie insbesondere die Bedeutung der Mitarbeiterbeteiligung, weshalb dieser Beitrag auch Bezuge zu den Themen interne Unternehmenskommunikation und Personalmanagement herstellt.

 

Der Hamburger Unternehmensberater Sven-Oliver Bemmé schießt unmittelbar an die Leitbildthematik an. Hierbei ist hervorzuheben, dass sich Bemmé durchaus mit den implizierten Risiken eines Leitbildprozesses auseinandersetzt, die u.a. darin liegen, dass in Phasen, wo in einer Einrichtung oder eines Unternehmen ein Vorhaben misslingt, das auf Erfolg setzende Leitbild ins Wanken geraten und unter der Belegschaft Zweifel am generell eingeschlagenen Kurs oder der Kompetenz der Führungsspitze auslösen kann. Solange der geneigte Leser in solchen Thesen nicht Indizien erkennt, grundsätzlich am Sinn von Leitbildern zu zweifeln, sollten diese Hinweise ihre wertvolle Berechtigung haben.

 

Der zweite Schwerpunkt des Buchs ist offiziell Theatermanagement, wobei sich hier mit Ausnahme eines Beitrags eine Beschränkung auf den Theaterbetrieb nicht zwingend ergibt. Vielmehr legt der Wiener Finanz- und Kulturmanager Markus Miko seinen Artikel so an, dass er für die vielfältigen Möglichkeiten der Unternehmenssteuerung im Sinne des Controllings im Kulturbetrieb allgemein wirbt. Im Grunde durfte man nach der Etablierung des Kulturmanagements in Mitteleuropa längst nicht mehr von betriebswirtschaftlicher Sensibilisierung sprechen. Von den wenigsten wird die Relevanz für das Gelingen eines Kulturbetriebs in Frage gestellt - allein es fehlen unserer Meinung nach wichtige Kompetenzen sowie ein Gespür für die richtigen personellen Zuschnitte. Insofern darf jeder dieser Beiträge - weit umfassender dargestellt vor rund zwei Jahren von Petra Schneidewind - nur wärmstens empfohlen werden, um allein immer wieder die begriffliche Klarheit zu erlangen, die wiederum die richtige Anwendung auf die Gegebenheiten vor Ort auslösen sollte.

 

Die in Belgrad mit Unterstutzung der UNESCO Kulturmanagement und –politik unterrichtende Milena Dragicevic Sesic schreibt schließlich in ihrem Beitrag von einer neuen Ethik, der nach ihrer Einschätzung die zahlreichen nationalen Kulturinstitutionen in Europa bedurfen. Ausgehend vom Typus des Nationaltheaters, wie es in praktisch allen EU-Mitgliedsländern gibt, verdeutlicht die Autorin, das die beteiligten Akteure in Kultur und Politik hier von der Vorstellung loslassen mussten, diese Einrichtungen nationalen Erbes seien unveränderlich. Dies durfte vielenorts ein langwieriger Prozess sein, da viele gerade in den neuen Mitgliedsstaaten Mittel- und Sudosteuropas maßgeblich auf diese Orte den Stolz auf die eigene Nation projizieren. Es durfte ein wichtiger geistiger Anstoß für eine Debatte sein, den uns die profilierte serbische Autorin hier mit auf dem Weg gibt. Indem sie Begriffe wie Ethik und Philosophie bewusst in diese Debatte wirft, wird auch klar, dass hier Kulturmanagement mit allgemeineren Wertvorstellungen und Geisteshaltungen verknüpft wird. Kein schlechter Gedanke in diesen Zeiten.